Chronik von Fuerstenland-Wireless

aus Fuerstenland-Wireless, der freien Wissensdatenbank

Rückblick


Anfang 2005 habe ich (Stef) von Freifunk erfahren und ich hatte die Vision, im Fürstenland ein eigenes Community Netzwerk aufzubauen. Ich baute ein paar Anleitungen für Eigenbau-Antennen nach und seither verfolge ich Freifunk auf der Mailingliste.


Im Herbst 2005 fand bei Revamp-It in Zürich das OpenSource Weekend statt. Neben dem Reseau Citoyen (Brüssel) wurde auch RONJA und andere interessante Projekte präsentiert. Die Leute von Openwireless aus Bern zeigten den Flash-Vorgang eines WRTs und wie man die Freifunk Firmware konfiguriert. Leider wurde kein Wort über die Hintergründe von Freifunk gesagt und so hatte ich keinen guten Eindruck von diesem Vortrag.


Am 22C3 war ich bei zwei Vorträgen von Elektra, einer treibenden Kraft bei der Entwicklung von MANET-Routingprotokollen (OLSR, BATMAN). Der erste Vortrag handelte von "Wifi Long Shots", der zweite von OLSR.


Im März 2006 startete ich die Verwirklichung von Fuerstenland-Wireless (Reservierung Domain und Netzbereich 10.248.0.0/16) und ich besuchte das Wireless Community Weekend in Berlin. Es ist faszinierend, mit Leuten zu sprechen, die man nur von der Mailingliste her kennt! Man konnte mit den Leuten aus Brüssel, Djursland, Rom, Berlin, Weimar, Leipzig und Rostock Erfahrungen austauschen. Es gab Vorträge über OpenWRT, die rechtliche WLAN-Situation in Rom, das Reseau Citoyen in Brüssel, die Idee eines Ad-Hoc-Netzwerkes mit 890MHz Transceivern sowie anderen Themen.


Am Chaosdock 2006 (ca. Mai 2006) starteten Elias und ich eine Diskussion über Freifunk. Die Leute waren allgemein der Meinung, dass das Teilen des Internetzugangs in der heutigen Zeit ziemlich heikel ist. Besonders aus den Künstlerkreisen des Dock18 wurden die Anwendungsmöglichkeiten von freien Netzen erläutert. Eine VPN-Verknüpfung zwischen Wireless-Meshwolken wird als sinnvoll erachtet, wobei die Anwendungen noch nicht ganz klar sind.


Beim Cosin 2006 (ca. Juli 2006) haben wir in einer kleinen Gruppe Erfahrungen ausgetauscht. Lorenz aus Bern ist der Mann hinter der Openwireless Firmware. Er erwähnt, dass Openwireless nun schweizweit freie WLAN-Netze fördere.



Über Freifunk Zürich bzw. Openwireless Zürich wurde schon öfters gesprochen. Das Projekt kommt nur sehr schleppend voran, da irgendwie die Lawine noch nicht ins Rollen gekommen ist und ich selten in Zürich bin. Irgendwie fehlt einfach eine Anwendung für so ein freies Netzwerk. Leider ging die Freifunk-Sache jedesmal in anderen Diskussionen/Aktivitäten des CCCZH unter.


Im Juli 2006 haben Marco und ich beschlossen, im Raum St.Gallen ein Freifunk Netzwerk aufzubauen. Der IP-Bereich, den ich für Fuerstenland-Wireless reserviert habe, wurde an Openwireless St.Gallen übergeben und sg.openwireless.ch wurde eingerichtet. Im August 2006 kam Marco mit der Botschaft, ein grosser Sponsor wolle in St.Gallen einen fetten Internetzugang Openwireless zur Verfügung stellen.

Nach einigen Diskussionen auf der Openwireless Mailingliste und Projektsitzungen wurde es klar: Die Stadtwerke St.Gallen wollen den Einwohnern der Stadt einen Internetzugang verschenken, wobei Openwireless das Netz aufbauen und betreiben soll. Bei diesem ungewöhnlichen Projekt namens "Wireless St.Gallen" solle ein freies und offenes Netzwerk aufgebaut werden, jedoch musste bis zur offiziellen Ankündigung alles geheim verlaufen. Openwireless St.Gallen umfasste damals etwa 5 Personen, die besonders an der Technik von Mesh-Netzwerken interessiert sind (mich eingeschlossen). Wir waren gegenüber Themen wie Support, Öffentlichkeitsauftritte und Netzübergabe an die Einwohner mit Deadline sehr kritisch eingestellt; besonders darum, weil es Openwireless St.Gallen damals noch nicht wirklich gab. Unserer Meinung nach müsse zuerst eine Community aufgebaut werden, und erst dann kann ein Community-Netzwerk realisiert werden.

Nun haben wir März 2007 und die Pilotphase des "Wireless St.Gallen" geht demnächst zu Ende. Der extra dafür gegründete Verein "Wireless St.Gallen" hat die Support- und Öffentlichkeitsarbeit aufgenommen und muss sich gegen verschiedene Vorwürfe wehren. So wird im Forum von Wireless St.Gallen / Openwireless St.Gallen über die Datensicherheit, die Finanzierung, die Strahlenbelastung, die Risiken und die Eignung des Netzwerks für Jedermann diskutiert. Einige Bedenken der Einwohner von St.Gallen finde ich nicht unbegründet, so kann dieser Internetzugang nicht mit Klartext-Netzwerkprotokollen zur Übermittlung von sensiblen Daten verwendet werden (z.B. POP3, FTP, HTTP). Der offizielle Routerverkauf mit bereits vorkonfigurierten WRT54GL-Routern wird z.B durch Media Markt durchgeführt. Dies hat zum Vorteil, dass sich der Verein nicht um die Geräte-Garantie kümmern muss. In meinen Augen geht aber durch die gross angelegte Werbeaktion und die kommerzielle Vermarktung der Community-Gedanke hinter Freifunk verloren. Als Kritikpunkt bei Openwireless muss ich sagen, dass alles sehr stark auf den Internetzugang fixiert ist und weniger auf dem Gedanken des Freien Netzwerkes.

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