Wireless Community Weekend

aus Fuerstenland-Wireless, der freien Wissensdatenbank

Wireless Community Weekend vom 24.-26.März 2006

In der C-Base in Berlin fand ein Treffen der Freifunker statt. Mehr Informationen zu dieser Veranstaltung gibt es direkt in der dazugehörigen Wiki-Seite im Freifunk-Wiki.

Dies sind die Eindrücke von mir:

  • Ich habe mit Leuten von Weimar, Rostock, Leipzig, Rom, Berlin, Dänemark (Djursland) und Brüssel gesprochen. Da ich schon einige Leute von der Freifunk-Mailingliste her kannte, war es interessant, die Leute im "Real Life" kennenzulernen. Es war toll, von ihren Erfahrungen zu hören und verschiedene Techniken und Strategien zu diskutieren.
  • Die c-base ist ein Treffpunkt von technikbegeisterten Leuten in Berlin. Es finden dort neben Partys auch Schulungen, Treffen von OpenSource-Projekten und anderes statt. So etwas fehlt bei uns in der Gegend, ich schätze mal, das Interesse ist zu klein.
  • Es ist interessant, in welche Richtung Sven-Ola die Entwicklung der Freifunk-Firmware richtet, und wie er "sein" Projekt gegenüber OpenWRT abgrenzt. In einem Vortrag hat Félix Fietkau Details zum OpenWRT-Projekt bekanntgegeben; demnächst komme Version 1.0 "White Russian" RC5 heraus. Die Freifunk-Firmware wird immer eine ausbaufähige aber spezialisierte Software bleiben, während OpenWRT universell bleibt. OpenWRT Version 2.0 "Kamikaze" ist erst in den Anfängen, da erst "White Russian" fertiggestellt werden muss.
  • Elektra hat einen neuen Routingalgorithmus namens "B.A.T.M.A.N. - Better Approach To Mobile Ad-hoc Networking" vorgestellt. Mittels Broadcasts werden Knoten angekündigt, anstelle von Link State Routing wird nur der optimalste Nachbarknoten aufgespürt, da sich OLSR in grösseren Mesh-Netzwerken nicht bewährt. In Berlin sind 300 Knoten aktiv, durch inkonsistente Ansichten des Netzwerks werden öfters Routing Loops beobachtet! Von B.A.T.M.A.N. ist Version 0.0.6 erhältlich, es ist aber noch blutige Alpha-Software.
  • Ein grosser Unterschied zwischen den Freifunk-Projekten sind die Beweggründe zu deren Aufbau. Bei Netzwerken, in denen Internetzugang angeboten wird (Berlin, Rostock, Dänemark, ..) sind die Teilnehmerzahlen schnell angestiegen. Bei uns in der Schweiz haben wir die Situation, dass Breitband-Internetzugänge weit verbreitet sind, daher ist es sehr schwierig, Gleichgesinnte zu finden, die am Netzwerk teilnehmen wollen. Ein grosses Problem ist die "Konsum-Einstellung" der Leute, anstelle selber etwas beizutragen und aufzubauen.

IMO ist es rechtlich und organisatorisch kritisch, wenn das Freifunk-Netzwerk für Internetsharing verwendet wird. Was passiert bei Copyright- und anderen Vergehen der Mitsurfer?

BTW: Sie betreiben in Brüssel einen autonomen Knoten mit Solarzellen! :-)

  • Auf dem WCW wurden Interviews geführt und Videos gedreht. Die Videos werden noch bearbeitet. Florian Fleischmann und Mario Behling haben zusammen die Flo Fleissig-Videos über Freifunk erstellt, die sind sehenswert! :-)

Mario hat ein Interview mit mir durchgeführt! :-) Es gibt noch mehr Fotos vom WCW, ausserdem wurden Wiki-Einträge im Wiki vom Opennet (Rostock) und Wiki von Freifunk Rom erstellt.

  • Die Freifunk-Gruppe in Rom hat ein illegales Funknetzwerk, da in Italien das Betreiben von grundstückübergreifenden Wireless-Links ohne Amateurfunklizenz verboten ist. Mario Behling hat einen Artikel darüber geschrieben.
  • Es gab noch eine Vorstellung von S3D --> olsr 3D netzwerk visualisierung, dies ist ein 3D-X-Server oder so ähnlich, zur Demonstration wurde die Berliner OLSR-Wolke gezeigt (war schon beim Chaos Communication Congress zu sehen, siehe S3d-Wiki)
  • Ein weiterer Vortrag befasste sich mit einer Möglichkeit zur Datenkommunikation im 870MHz Band. So wäre AdHoc Networking möglich mit 500mW Sendeleistung und 8-bit CPUs; die Hardware kann bei mazzoo bestellt werden, die Software müsste erst noch geschrieben werden (Zugriffsverfahren auf Medium, Protokoll, Fehlerkorrektur, ...). Die Möglichkeiten wären natürlich toll, Reichweite und Gebäudedurchdringung ähnlich dem GSM-Netzwerk. :-)

Mal sehen, was sich daraus entwickelt. Ich muss Mathias mal ein eMail schreiben, da ich bis jetzt noch nirgens eine Webseite zu diesem Thema gefunden habe...


Zusammenfassend muss ich sagen, dass sich die Reise nach Berlin gelohnt hat.


MfG, Stef.

'Persönliche Werkzeuge